– Don’t Lose Your Brain at Work!

Wie wir altern, wird entscheidend von unseren Lebenserfahrungen und Verhaltensweisen beeinflusst. Insbesondere die berufliche Tätigkeit, der wir einen Großteil unseres Lebens nachgehen, kann sowohl nachteilig als auch förderlich für das erfolgreiche Altern sein. Kognitiv anfordernde Tätigkeiten verlangsamen den geistigen Alterungsprozess, während eintönige, wenig fordernde Tätigkeiten ihn beschleunigen. Wie können aber nun Beschäftigte gerade in solchen von Routine geprägten Jobs, z.B. am Fließband in der Produktion von einer besseren Organisation der Arbeit oder von Karrierewegen profitieren?

JobBrain
Zusammen mit Kollegen der Jacobs University Bremen und der Columbia University New York konnten wir zeigen, dass regelmäßige Wechsel der Tätigkeiten im selben Unternehmen, verbunden mit dem Neulernen von benötigten Fertigkeiten und Fähigkeiten dem Altern des Gehirns und der geistigen Leistungsfähigkeit entgegenwirken können. Hierzu befragten wir mehrere hundert Mitarbeiter eines großen Produktionsunternehmens der Automobilindustrie mit Hilfe von Fragebögen und untersuchten eine Teilstichprobe in unseren Labors der Jacobs University und mit dem Kernspintomographen. Es zeigte sich, dass diejenigen, die alle 5-7 Jahre die Abteilung wechselten, z.B. vom Fließband in die Lackiererei oder von dort zum Schweißen, bessere kognitive Leistungen und größere Volumina in wichtigen Gehirnbereichen aufwiesen, die mit Kognition und Lernen in Beziehung stehen, als sogenannte ‚Untersuchungszwillinge‘, mit der gleichen Ausbildung, dem gleichen Alter, gleicher Ausgangsintelligenz, aber einer durchgehenden immer gleich Tätigkeit im Unternehmen. Interessanterweise, konnten die schädlichen Auswirkungen der Routinearbeit durch interessante und anfordernde Freizeitaktivitäten teilweise ausgeglichen werden.

Den vollständigen Artikel, erschienen in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychology, finden sie hier:
Oltmanns J, Godde B, Winneke AH, Richter G, Niemann C, Voelcker-Rehage C, Schömann K, Staudinger UM (2017) Don’t Lose Your Brain at Work – The Role of Recurrent Novelty at Work in Cognitive and Brain Aging. Front. Psychol., 8: 117. DOI: 10.3389/fpsyg.2017.00117.
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– Alters- und Hirnforscher zeigen: Für’s Lernen ist es nie zu spät.

ZDF SonntagsIn seiner Reihe SONNTAGS berichtete das ZDF über die Forschung von Dr. Godde und seinen Kolleginnen und Kollegen zum Thema lebenslanges Lernen im Betrieb. Schauen Sie den kompletten Beitrag in der Mediathek des ZDF.

– Bessere geistige Leistungsfähigkeit und mehr Gehirnvolumen durch Training der motorischen Koordination

Basalganglia2Bisherige Studien haben bereits gezeigt, dass dem mit dem Alter einhergehenden Abbau des Gehirns und der kognitiven Funktionen durch einen aktiven Lebensstil und Bewegung entgegengewirkt werden kann. Dabei lag der Schwerpunkt bisheriger Studien vor allem auf der Untersuchung von Effekten eines Ausdauertrainings (Walking, Jogging) auf Gehirn und Gehirnleistung. Erst in letzter Zeit wurde deutlich, dass andere Arten der körperlichen Aktivität, wie z.B. Balance-, Koordinations- und andere Bewegungsübungen ebenfalls zum Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter beitragen. In einer aktuellen Studie untersuchten nun Claudia Niemann, Ben Godde und Claudia Voelcker-Rehage die Effekte verschiedener Trainingsprogramme auf die sogenannten Basalganglien, einer Region im Gehirn, die vor allem mit motorischen und kognitiven Funktionen, aber auch mit dem Lernen in Beziehung gebracht wird. Die Ergebnisse zeigten, dass vor allem ein motorisches Koordinationstraining mit einem vergrößerten Volumen der genannten Gehirnbereiche einherging und dieser Volumenzuwachs für verbesserte kognitive Leistungen verantwortlich war.

Den vollständigen Artikel, erschienen in der Fachzeitschrift Neuroscience, finden sie hier:
Niemann, C., Godde, B., Voelcker-Rehage, C. (2014) Exercise induced changes in basal ganglia volume and cognition in older adults. Neuroscience, 281(5):147–163.

– Wirkung von taktiler Stimulation auf sensorische Wahrnehmung und Gehirn

piezo

Die taktile Wahrnehmung, also das Tastempfinden der Finger, nimmt mit dem Alter ab. Allerdings wurde gezeigt, dass durch Übung oder auch gezielte Stimulation der Finger diesem Abbau entgegengewirkt werden kann. Franca Parianen Lesemann, Eva-Maria Reuter und Ben Godde haben nun in einem Überblicksartikel für das renommierte Journal Neuroscience and Biobehavioral Reviews die Wirkung verschiedener Stimulationsmethoden und -paradigmen auf die taktile Wahrnehmung und die zugrunde liegenden Prozesse im Gehirn zusammengefasst.

Den gesamten Artikel finden Sie hier:

Parianen Lesemann, F.H., Reuter, E., Godde, B. (2015) Tactile stimulation interventions: Influence of stimulation parameters on sensorimotor behavior and neurophysiological correlates in healthy and clinical samples. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 51:126-137.